Corona Nachbetrachtung

Es begann mit einer Nachricht Ende November 2019: eine Lungenentzündung breitet sich in China aus, sehr weit, sehr gefährlich. Upps… Hoffen wir mal, dass es auf China beschränkt bleibt.

Später erfahren wir, dass man die nach dem Ort nennt, wo zu erst massenweise Personen infiziert waren: Fischmarkt in Wuhan (bis zu dem Tag wusste ich nicht, dass es einen Ort gibt, der Wuhan heißt. Dabei wohnten dort vor dem Ausbruch etwas mehr als 8 Millionen Einwohner!)

Jetzt, wo ich recherchiere, lese ich in der wikipedia: „2017 wurde in Wuhan für 44 Millionen US-Dollar (300 Millionen Yuan) ein Biolabor für Forschungen an gefährlichsten Krankheitserregern (BSL-4) fertiggestellt.[6]“ Ich lasse das mal unkommentiert stehen.

Meine Mama wollte am 26.3. mit einer Freundin nach Namibia fliegen. Meine Eltern waren 2 Wochen vorher noch zum Üben nach Frankfurt/Main gefahren, damit meine Mama den Weg zu dem Flugzeug auch findet. Immerhin ist sie 85 Jahre alt. Je näher der Termin rückte, umso mehr zeichnete sich ab, dass die Reise abgesagt wird und Deutschland als auch „Afrika“ dicht machen. Und so war es dann auch. Einigermaßen erleichtert stieg ich also in das große heilige Lockdown ein. Nach einer Woche waren meine Eltern noch immer gesund und das blieb auch so nach zwei Wochen. Sie hatten sich wohl nicht infiziert und ich war erstmal erleichtert.

Am 16.3.2020 wurden dann alle Schotten dicht gemacht. Niemand durfte mehr raus, Alte sollten über Familienmitglieder versorgt werden, da sie als besonders gefährdete Personen gelten. Einkaufen nur das nötigste, nur alleine, am Besten ohne Kinder.

Auf der Arbeit wurde über Homeoffice nachgedacht, aber auch schnell verworfen. Handlungsanweisungen wurden ausgegeben: richtig Händewaschen, mehrmals, Maske auswärts tragen, nur einmal benutzen etc. Mehrmals wurden die Infos aktualisiert.

Der Auftraggeber selbst führte eine zusätzliche Abfrage ein: „gibt es im Haushalt Verdacht/Infektion mit Corona?“ und die Info, dass Außendienstmitarbeiter selbstgeschützt erscheinen und die Regeln kennen.

Beim Einkaufen entdeckte ich mit Entsetzen, was seit 2 Wochen schon aus Süd- und Westdeutschland berichtet wurde: Einkaufsregale leer!

In NRW war in Heinsberg eine Corona-Hochburg entstanden. Offizielle Schreibweise: der Karnevalstag war Auslöser für die vielen Coronafälle einen Tag später. Inkubationszeit Corona beträgt aber 5 bis 27 Tage. Und auch in Baden-Württemberg gab es unglaublich viele Fälle und eben in beiden Ländern schon früh Ausgehverbote.

Achja, und plötzlich fehlten so einige Kollegen: offenbar hat man ihnen nicht die Kinderbetreuung erlaubt und da sie noch keine drei Monate im Unternehmen waren, wurden sie mal gleich gekündigt. Jedenfalls habe ich sie seit 8 Wochen nicht mehr gesehen.

Das Leben in unserer kleinen Privatstraße organisierte sich um. Anfangs waren die Eltern noch sehr hinterher, dass die Kinder morgens die „Hausarbeiten“ erledigten. Hier sind nur Grundschulkinder, als noch nichts dramatisches. Allerdings gibt es Diskussionen, ob die Kinder vor den Sommerferien überhaupt noch einmal zur Schule kommen, und wenn nicht: sollen alle das Schuljahr wiederholen. Das erinnert mich an den Wegfall der 13. Klasse…

Im Lauf der Wochen nahm die Energie hinter den Hausarbeiten ab: die Kinder spielten und es kamen dann auch die Osterferien. Die Eltern hatten zunehmend Druck, denn sie konnten zwar Homeoffice arbeiten, dafür nervten die Kinder sie aber alle paar Minuten. Das führte bei einer Frau dazu, dass sie um 5 aufstand, das Kind fütterte und es wieder ins Bett legte, um zu arbeiten. Um 9 konnte das Kind aufstehen und die Mutter wurde nun zerrieben. Abends dann wieder ne extra Schicht, damit sie auf die Stunden kam.

Bei anderen Eltern sah das auch nicht besser aus: zwei Kinder, eines 12 eine 9 Jahre. Das jüngere durfte in die Notbetreuungskita (da sollen Kinder hin, deren Eltern systemrelevant arbeiten (Ärzte, Polizei….). Das ältere Kind durfte da aber nicht hin. Beide Eltern berufstätig: ratet mal….

Massenweise und quer durch die Republik wurden Mitarbeiter gekündigt, im besten Fall auf Kurzarbeit gesetzt. Für etliche ist das eine finanzielle Katastrophe.

Gäststätten, Kneipen und Veranstaltungen fast aller Art wurde abgesagt und verboten. Restaurants zu Lieferservices umfunktioniert.

Die Baubranche durfte ungehemmt weiter arbeiten (OK, au0er Tesla…). Alle Bauarbeiter sind aber mit Auftragsbestätigungen als behelfsmäßige Passierscheine ausgestattet. Auch ich habe von meinem Arbeitgeber so einen Passierschein erhalten:

Passierschein

Viele Unternehmen haben ad hoc auf Homeoffice umgestellt und kriegen das auch plötzlich gebacken. Mein Arbeitgeber hat sich dagegen entschieden. Jedoch sind 2 Mitarbeiter doch im Homeoffice. Gründe? Keine Ahnung.

Nach zwei Wochen Arbeit unter Corona gibt es folgendes zu berichten: jeder Tag glich einem Arbeitstag am Sonntag: die Straßen waren leer und ich war viel zu früh auf der Arbeit. Auch die Anzahl der Kollegen hat rapide abgenommen: wir sind gut 6 Wochen nur mit halb so viel Kollegen wie sonst unterwegs gewesen.

Dafür hatten wir zwei röchelnde Kollegen, die tapfer zu Arbeit kamen: eine mit ausgewachsener Bronchitis. Ich kontaktierte unsere Geschäftsführer und hatte ihn vorher schon gebeten, die Kollegen zwangsweise nach Hause zu schicken – wegen der Fürsorgepflicht. Er lehnte jedoch ab. Begründung: er könne die doch nicht nach Hause schicken, weil denen dann Einbußen im Gehalt drohen. Mein Einwand: sie können sich ja krankschreiben lassen, lies er auch nicht gelten. Nettes Kerle.

Ende März eine kleine Revolution: wir bekamen von der Unternehmensleitung ein Zertifikat: „Ihr seid unsere Helden“ (ich nenne es Held der Arbeit-Zertifikat)

Am 12. April machten wir ein Lagerfeuer. Es hat uns zusammengeschweißt und überhaupt sind viele neue Ideen entstanden. Corona hat den Eltern ein bisschen Zeit gegeben, Dinge zu tun, die normalerweise gar nicht mehr möglich sind, weil alle permanent überbeschäftigt sind.

Schwierig sind übrigens solche Sachen geworden wie Sterbende im Krankenhaus besuchen (nicht erlaubt), Beerdigungen (nur mit maximal 20 Personen), Hochzeiten (ebenso). Auch zu Hause durfte man nicht mehr Personen einladen.

Etwa Mitte April kam mein Schwiegerpapa wieder nach Hause und langweilte sich bald. Er wollte raus, aber nicht ohne Maske. Anruf der Schwiegermutter: „In der Apotheke ABC gibt es Masken für nur 13 Euro. Kauf die mal!“ Wir taten es nicht, entdeckten aber, dass es gar nicht möglich war, überhaupt irgendwo Masken zu bekommen.

Im LGV Milieu kam sehr schnell die Idee auf, Masken zu nähen. Zu erst für Krankenhaus-Mitarbeiter: da haben die Näher aber sehr schnell Abmahnungen bekommen, weil sie die genauso genannt hatten, wie die offiziellen. Inzwischen ist es normal und geradezu chic geworden, selbstgenähte Masken zu haben. Ganze Branchen bieten nun individuelle Masken an (mit Namen?). Mitte Mai habe ich einen Maskenhaufen entdeckt:

3,99 Eur – für *eine* Maske!

Überhaupt zu den Masken selbst: Man darf auch mit Schal oder Rollkragenpullover rumlaufen. Am Anfang war das aber noch nicht so richtig klar. Mein Schatz hat immer Probleme mit Masken: sie sitzen einfach nicht. Neulich habe ich aus Verlegenheit sein Halstuch genutzt: man bekommt keine Luft darunter.

Auch das nette Geschenk meines Arbeitgebers (ein Slip als Maske) hat mich fast umgebracht! Die weiße Maske habe ich übrigens auch bei einem Bankbesuch genutzt – wer hätte das für möglich gehalten!

Achja, da gibt es ja noch social Media. Was ich so benutzt: youtube und twitter vor allem, aber auch öffentlich-rechtliche Medien. Jeder hat seine große Infoseite zu Corona. Mit mehr oder weniger richtigen Infos. Auf jeden Fall immer aufdringlich. A la „Mach mit bei ‚Wir bleiben zu Haus!'“ – sehr witzig…. Krönung heute ist ein Beitrag von Extra 3 ab Minute 10.