Frankfurt (Oder)

Zuersteinmal meine Sicht auf Frankfurt (Oder).

Seit mindestens 15 Jahren ist die Stadt geviertelt: die Arbeitslosen, die noch normal Beschäftigten, die unter-Mindestlohn Beschäftigten und die Gruppe der Politiker mit deren Satelliten.

Das führt dazu, dass die Gruppen sowohl räumlich als auch zeitlich getrennt auftreten. Die Arbeitslosen tingeln zwischen Wohnung und Arbeitsamt hin- und her. Die normal Beschäftigten (also die mit einem Arbeitsvertrag, wo am Ende des Monats 2000 netto und mehr steht) finden sich überwiegend zum Essen in der Stadt ein, die Politkergruppe sind nicht nur politisch sondern auch gesellschaftlich und kulturell interessiert und nehmen fast als einzige Gruppe überhaupt an Veranstaltungen teil.

Auch politisch hat diese Vierteilung ebenfalls Auswirkungen, die den großen Parteien vermutlich nicht so richtig bewußt sind. Mir ist es beim Sammeln der Unterstützerunterschriften aufgefallen: die Gruppe der Arbeitslosen ist im Wesentlichen vollkommen mit sich selbst beschäftigt und hat überhaupt kein Interesse an Politik. Bestenfalls an „Gerechtigkeit“, die aber auf keinen Fall zum Engagement führt.

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Wirtschaftlich ist Frankfurt ebenfalls ein heisses Pflaster: viele Betriebe, die nach der Wende aus den Betrieben hervorgegangen sind, müssen sich auf die Suche nach Nachfolgern machen. Da jedoch fast alle Arbeitnehmer auf der Suche nach besserem Verdienst Frankfurt verlassen haben, ist die Suche vermutlich erfolglos.

Eine große Industrie wie Wolfsburg oder andere Städte, die mit gewachsener Geschichte einhergeht, gabe es bis vor einigen Tagen noch: Halbleiterindustrie. Die letzte produzierende Firma -Astronergy- hat nun die Tore geschlossen. Es bleibt nun nur noch das ihp als großes Forschungslabor.

Zum Glück wurde Mitte der neunziger Jahre erkannt, dass ein weiterer Zweig in der Verteilung von Gütern liegen könnte – so ist das GVZ/TeGeCe/Terminal entstanden.

Ein bisher sich durchwurschtelnder Bereich waren die Obstbauern – hier hat jedoch das 2014 verhängte Exportverbot nach Russland mehr als kräftig zugeschlagen. Einige größere Bauern sind dem zum Opfer gefallen. Erschwerend kamen die für Polen besseren Arbeitsverhältnisse in Polen dazu und auch die Wasserpreise taten ihr Übriges.

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Nicht unschuldig sind die endlosen Verhandlungen zwischen Stadt und Land bzw Bund. Hier kommt es immer wieder zu mangelhafter Unterstützung (übrigens nicht nur gegen Frankfurt (Oder) sondern generell gegen alle Städte).

So wir die Autobahn nicht auf dreispurig verbreitert, weil ihr Durchsatz angeblich nicht groß genug dafür ist.

Die Schiene wird auch nicht verbreitert, weil es die einzige Eisenbahnbrücke gar nicht hergibt. Hier ist dringend eine weitere, große Brücke zu bauen.

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Auch finanziell ist es um Frankfurt eher schlecht bestellt. Der Haushalt wurde zweimal hintereinander nicht genehmigt, sodass die Stadt nun „vom Land regiert“ wird. Eine Folge ist, dass Frankfurt alles an „Förderung“ über sich ergehen lassen muss – und sei es noch so widersinnig. So müssen Photovoltaikanlagen gesetzt werden, damit Frankfurt schuldenfrei wird. Der Stadtwald muss „wirtschaftlich“ betrachtet werden – und dazu werden nicht nur Wälder abgeholz sondern auch gleich noch mit 240 Meter hohen Windrädern versetzt.

Förderung für eine lebenswerte Stadt sieht meiner Meinung nach anders aus.